Tradition(en)

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begleiten uns viel häufiger und nicht selten unbewusst durch unser Leben. Die meisten Traditionen kommen ‚aus der Gesellschaft‘ und sind seit Jahrhunderten etabliert. Andere wiederum sind eher familiären Ursprungs. Irgendwann hat eine Vor-Vor-Vor-Generation etwas in deiner Familie eingeführt und es wird bis zu deiner Generation heute gelebt.

Heute zum Beispiel ist ‚Aschermittwoch‘. Es gibt auch noch andere Bezeichnungen für diesen Tag, je nach Region, z.B.: Pfeffertag – Langschläfer wurden mit Ruten aus den Federn ‚gepfeffert‘. Im Rheinland nennt man diesen Mittwoch nach Fasching / Karneval auch MacherdagEschtag, Esztag, Hessischer Mittwoch, Schurtag, Öschriger Mittwoch usw.  Andernorts auch Heringstag, da in vielen Regionen eben am Aschermittwoch Hering mit viel Schnaps verspeist wurde, um die Fastenzeit zu starten und durch den Schnaps nochmals die Verdauung anzuregen.

 

Mittlerweile ist neben Hering auch anderer Fisch akzeptiert und in manchen Regionen wird das Essen regelrecht als lukullisches Ereignis zelebriert.

 

Im Faust I gibt es auch etwas zum Aschermittwochtreiben:

“So sei die Zeit mit Fröhlichkeit vertan!
Und ganz erwünscht kommt Aschermittwoch an.
Indessen feiern wir, auf jeden Fall, nur lustiger das wilde Karneval.“

Apropo Fastenzeit: Der Name Aschermittwoch und die damit verbundene Tradition stammt bereits aus dem 6. Jahrhundert. Im Christentum kennzeichnet er den Beginn der österlichen Fastenzeit. Aktive Christen gingen an diesem Tag in die Kirche und ihr Haupt wurde mit Asche bestreut. Ungefähr seit dem 10. Jahrhundert hat es sich eingebürgert, dass den Christen ein sogenanntes Aschekreuz auf die Stirn ausgeteilt wird. Früher hat man der Asche eine reinigende Wirkung zugesprochen, sie setzte sich aus den unterschiedlichsten Stoffen zusammen: verbrannte Tiere, Zedernholz, Ysop usw.. Keine Panik, dass ist lange her und heute besteht die verwendete Asche für das Aschekreuz aus den verbrannten Palmzweigen vom Palmsonntag des Vorjahres.

 

Das heutige Aschekreuz symbolisiert für aktive Christen den Beginn der Bußzeit und des Fastens bis Ostern.

 

 

Reichlich bekannt ist dir sicher auch der Politische Aschermittwoch: hier geht es den Politikern aller Parteien ungestraft und sehr direkt an den Kragen, natürlich nur verbal. Seinen Ursprung hat der politische Aschermittwoch in Bayern, man findet ihn heute aber auch in anderen Bundesländern. Im engeren Sinne versteht man darunter die  Landestreffen von allen größeren und kleineren Parteien. Meist herrscht eine feucht-fröhliche Bierzelt-Atmosphäre und das Ziel der gehaltenen politischen Reden, meist in farbiger Wortwahl und heftigen, polemischen Attacken gegen den politischen Gegner gehalten, zeichnen sich weniger darin aus, neuartige politische Konzepte zu präsentieren oder detaillierte Sachkritik vorzubringen, sondern sie dienen dazu, die eigenen Parteianhänger zu motivieren und den politischen Gegner zu verunsichern.

Beginnend mit dem Aschermittwoch startet die Fastenzeit bis Ostern, wie oben schon mal erwähnt. Heute fastet kaum noch jemand im traditionellen Sinne. Mittlerweile hat sich eine neue Tradition in der Tradition gebildet. Viele Menschen verzichten in der Fastenzeit weniger auf Essen, sondern zum Beispiel auf das Fernsehen, sie kaufen in dieser Zeit nur Lebensmittel, keine Konsumgüter. Da für viele Menschen das Internet und das Mobiltelefon zum Standardarbeitsmittel gehört, können sie zumindest während der Arbeitszeit nicht darauf verzichten. Dafür legen sie sich im privaten Bereich einen Internet- und / oder Handyverzicht für diese Zeit auf.

Wer im Rest des Jahres dort sehr aktiv ist und des dann wirklich diese 6 Wochen durchhält, verdient Anerkennung, denn das stelle ich mir nicht leicht vor.

Eine weitere Möglichkeit etwas in den Fastenwochen bewusst zu machen oder eben zu unterlassen ist z.B.: Nicht fluchen, mehr Aufmerksamkeit gegenüber seinen Mitmenschen, weniger Fahrstühle, eine Station früher aus den öffentlichen Verkehrsmitteln aussteigen und den Rest laufen und und und.

Vielleicht probierst du etwas davon aus? Oder noch ein paar Anregungen gefällig, die mehr in die ursprüngliche Fastenrichtung gehen:

  • 6 Wochen keinen Kaffee / Espresso
  • 6 Wochen keinen Zucker (auch keinen verarbeitetet!!!)
  • 6 Wochen keinen Alkohol
  • 6 Wochen keine Zigaretten
  • 6 Wochen ohne deine persönliche Lieblingsspeise
  • 6 Wochen ohne dein persönliches Lieblingsgetränk

faust-1006416_1920Wer sich traut und durchhält, ist zu Recht mächtig stolz auf sich! Wer es nicht schafft, überlebt natürlich auch. Andererseits ist es eine gute Gelegenheit um festzustellen, wo bin ich schon abhängig / süchtig, gilt natürlich auch z.B. für TV-Konsum, Internet usw., und das ganz ohne große Konsequenzen.

Ganz nebenbei entwickelt sich dadurch vielleicht sogar eine neue Tradition für dich, deine Mitmenschen usw. Womit ich wieder beim Ursprung bin:

Jede Tradition, jedes Brauchtum hat einmal mit so kleinen Schritten, einem Experiment eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe begonnen.

Und wie sieht es aus: Beginnst du heute mit einer neuen Tradition für dich?

Ich wünsche dir auf jeden Fall eine bewusste Zeit bis Ostern.

BiWi

 

 

 

 

 

 

 

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