Der ewige Begleiter…

 

saboteure… hast du auch einen ‚ewigen Begleiter‘? Ich bin mir ziemlich sicher!

Mal ist er ziemlich lautstark, mal ist er ganz ruhig, ich könnte schon fast den Eindruck bekommen, dass er auf Urlaub ist. Kaum habe ich mich an diesen entspannten Zustand gewöhnt… ist er wieder da! Wer oder was ist denn nur gemeint? Der Selbstzweifel ist gemeint!

So, jetzt ist es raus und höchstwahrscheinlich ist dir dein persönlicher Selbstzweifel ebenfalls vertrauter als dir lieb ist oder? Ich nenne ihn hier und heute mal ‚Mister Saboteur‘ und versuche ihm auf die Schliche zu kommen.

zweifel

Selbstzweifel sind wahre Saboteure des Erfolgs und des Glücks. Logisch, Zweifel kennt jeder und gelegentliche Unsicherheit ist völlig normal. Wenn sie allerdings ‚chronisch‘ werden, also eben zum täglichen Begleiter werden, wirken sie lähmend. Den ‚Mister Saboteur‘-Betroffenen fehlt das Wohlwollen sich selbst gegenüber. Einerseits haben sie – genau wie du & ich – einen Wunsch nach Zuwendung und Anerkennung, es steht ihnen jedoch die permanente Selbstentwertung gegenüber. So eine Selbstentwertung zeigt sich gerne auch in Form von Unterstellungen wie:

„Dich mag sowieso keiner“
„Das wird wieder nichts“
„Ich bin einfach zu doof dafür“

Wer über einen treuen ‚Mister Saboteur‘ verfügt, rennt nicht selten jedem Trend und jeder Meinung hinterher, nur um es anderen recht zu machen oder gemocht zu werden. So ein Rennen, du ahnst es schon, kann nicht gewonnen werden.

Wann ist ‚Mister Saboteur‘ am aktivsten?

krankGenau, wenn es uns eh mal wieder nicht so gut geht. Zum Beispiel, wenn wir ein wenig kränkeln und dadurch zum Beispiel unser selbst gesetztes Tagesziel nicht schaffen. Weil wir z.B. Kopfweh haben, machen wir unsere Morgengymnastik nicht und fühlen uns dadurch noch schlechter oder eine vereinbarte Verabredung wird sehr kurzfristig abgesagt und schon haben die Selbstzweifel Oberwasser.

 

Wie bekommt ‚Mister Saboteur‘ seine Spielwiese?

Laut der Aussage von Verhaltenstherapeuten liegt es weniger an objektiven Erfolgen, ob wir zufrieden sind mit uns oder nicht, sondern in erster Linie an unserer subjektiven Haltung, sprich unsere innere Einstellung dazu.

Und nun?

Wir können unsere innere Einstellung ‚bearbeiten‘ und der hier wohl aller wichtigste Aspekt dabei ist: Unser Wohlwollen uns selbst gegenüber!

Wenn du jetzt denkst, nur du nennst so einen ‚Mister Saboteur‘ dein eigen, dann darf ich dich positiv enttäuschen. Grundsätzlich kann es jeden treffen, ob Professor oder Künstler, Unternehmer, Arzt, Student oder Mutter / Vater. Alle kennen Selbstzweifel und sind dann überzeugt davon, nicht gut genug zu sein. Sie werden – wie du und ich – von ihren jeweiligen Selbstzweifeln gelähmt. Das kann soweit gehen, dass Selbstzweifel uns sogar ernsthaft erkranken lassen.

Einstellung ändern – aber bitte wie?

Es geht, aber es geht leider nicht von heute auf morgen. Schließlich ist ‚Mister Saboteur‘ schon eine Weile bei dir Gast, bevor du es überhaupt realisiert hast. Also heißt es jetzt: täglich daran arbeiten. Ziel ist es, aus deiner Selbstentwertung – nix anderes macht ‚Mister Saboteur‘ – Selbstzuneigung zu machen. Dazu braucht es deine ganze Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Fürsorge für dich!!! Ja, ganz allein für dich!!!

Selbstzweifel haben sozusagen leichtes Spiel, wenn wir uns wenig Aufmerksamkeit schenken, nicht besonders achtsam mit uns umgehen, sei es beim Pausen machen, Ernährung, Bewegung oder im Umgang mit negativen Menschen usw.

Eine Idee / Übung sich selbst wieder bewusst(er) wahrzunehmen und spüren zu lernen ist zum Beispiel diese: Du beobachtest dich bitte einmal ganz bewusst, wie du auf einem Stuhl sitzt:stuhl

  • Stehen deine Füße fest auf dem Boden?
  • Hast du ein Bein über das andere geschlagen?
  • Ist dein Gewicht gleichmäßig auf der Sitzfläche verteilt?

 

Klingt jetzt zugegebenermaßen sehr banal, aber es heißt: Sich selbst anzuerkennen beginnt damit, sich selbst wahrzunehmen!.

Wer an Selbstzweifeln leidet ist oft so darauf fokussiert es allen anderen recht zu machen, ihnen zu gefallen, dass er sich selbst gar nicht mehr wahrnimmt / sieht. In einem früheren Artikel habe ich mal gefragt: ‚Wer bin ich und wenn ja, wie viele?‘ Du weißt also schon, dass du auch durchaus kleine Helferlein ‚in dir‘ aktivieren kannst. Stell dir doch einfach innerlich einen Verbündeten vor, der dir bei deinem Umgang mit ‚Mister Saboteur‘ unterstützend und wohlwollend zur Seite steht.

begleiterDieser Unterstützer hilft dir dabei, gut zu dir zu sein. Sei es Sport machen (Bewegung ist immer gut), dich gesund zu ernähren, dich mit Freunden zu treffen und und und. Mit dieser inneren Unterstützung gegen deinen ‚Mister Saboteur‘ lernst du langsam aber sicher, dich wieder selbst wertzuschätzen. Und noch etwas tolles passiert: Solange dich deine Selbstzweifel gut im Griff haben, können andere auch noch so begeistert von dir sein, du glaubst ihnen nicht. Wenn du deine eigene Wertschätzung jedoch wieder aktiviert hast, kannst du auch Anerkennung von anderen annehmen.

Okay, ich gebe zu dass es nicht leicht ist, einmal festgefahrene Denk- und Gefühlsmuster zu ändern, aber es geht! Manchmal braucht’s halt ein bisserl Unterstützung: Toll sind hier natürlich wohlwollende (!) Beziehungen im Familien- oder Freundeskreis. Wenn du dich hier nicht öffnen magst, gibt es auch Therapieansätze.

Wie funktioniert richtige Anerkennung?

Natürlich wissen wir alle, dass Anerkennung wichtig ist– nur wissen wir auch, wie es geht? Die Psychologin Johanna Graf von der Universität München sagt dazu:

 „Das Geheimnis des richtigen Lobens ist eine Mischung daraus, das Gute zu erkennen und es dann möglichst genau zu beschreiben“

Sie hat sogar ein Training entwickelt, in dem Paare, Eltern und Manager in Seminaren das Loben und andere Beziehungskompetenzen lernen. Die Teilnehmer sollen beispielsweise versuchen, den Partner dabei zu ‚erwischen‘, wie er etwas Gutes für sie tut, oder den Mitarbeiter, wie er sich engagiert. Das anschließende Loben sollte dann möglichst detailreich sein:

  • Was finde ich anerkennenswert?
  • Wofür genau bin ich dankbar?

Wenn du selber in der Rolle des ‚Lob-Empfängers‘ bist, lernst du es am schnellsten 😉 Logisch, du spürst doch genau ob das Lob ‚passt‘ und dir ein warmes Gefühl vermittelt. Solche Momente lassen deinen ‚Mister Saboteur‘ auf Dauer immer kleiner werden. Und wenn du jetzt noch anfängst, andere nach diesem Muster zu loben, merkst du schnell, wie gut es auch dir tut, wenn du andere ‚zum Strahlen‘ bringst. Dann steigt auch in dir ein warmes wohliges Gefühl hoch und du fühlst dich besser. Ganz getreu dem Spruch: Ein Lächeln (Lob) kehrt tausendfach zu dir zurück.

Weitere Tipps im Kampf gegen ‚Mister Saboteur‘ gefällig?

Also dass es kein Zuckerschlecken ist ihn zu bändigen habe ich dir bereits weiter oben erklärt, aber mit Ausdauer und regelmäßigen unterstützenden Maßnahmen bist du schlussendlich der Gewinner. Was kannst du also ganz alleine dafür tun?

  • Schreibe ein Erfolgstagebuch, in dem du dir in Stichpunkten notierst, was du bereits geschafft hast. Damit hast du – in schwachen Momenten, sprich wenn ‚Mister Saboteur‘ wieder mal Oberwasser hat – schwarz auf weiß, dass du bereits Erfolge hattest, ergo grundsätzlich dazu in der Lage bist und diese auch jederzeit wiederholen kannst.
  • Lerne genau zu unterscheiden zwischen Gefühlen und Fakten. Wir alle fühlen uns mal unfähig oder dumm. Aber nur, weil wir uns so fühlen, entspricht das noch lange nicht der Wahrheit. Meist ist dieses Gefühl eher eine Momentaufnahme.
  • Oute dich! Durchbrich dein Schweigen, sprich mit deinen Freunden, deiner Familie über deinen ‚Mister Saboteur‘. Hilfe zu suchen, ist keine Schande! Außerdem wirst du überrascht sein, wer noch so alles so einen Begleiter der unangenehmen Art hat.
  • Mach‘ es wie die Profi-Sportler: Visualisiere dir vorab deinen Erfolg. Stell dir vor, wie du die nächste Präsentation hältst und dein Chef hinterher applaudiert. Vor dem nächsten Bewerbungsgespräch imaginiere, wie du auf alle Fragen eine kluge Antwort gibst. Visualisiere, dass du genau die richtige Person für diesen Job bist – weil du ihn beherrschst und kompetent bist. Visualisiere wie du erfolgreich die schöne Kollegin aus Abteilung XYZ in der Kantine ansprichst und ihr danach eine Verabredung fürs Kino trefft.
  • Erlaube dir Fehler!  Stelle realistischere Anforderungen an dich selbst. Du weißt doch: Nobody is perfect! Und gelegentliche Besuche von ‚Mister Saboteur‘ kennt jeder. Ist es nicht sogar so, dass wir Menschen die total von sich überzeugt sind, eher nicht so sympathisch finden?

Fazit: Du solltest ‚Mister Saboteur‘ definitiv kein Dauerwohnrecht erteilen, wie das geht habe ich oben versucht zu erläutern. Wenn er ab und an mal zur Stippvisite kommt, ist das völlig okay. Das erhöht deine persönliche Bodenhaftung 😉

Immer mehr Sabotage-freie Lebenszeit wünscht dir

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