Heilige Kunst

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Relieftafel aus Walrosszahn

 

 

 

Was ist für die meisten Menschen im Dezember das wichtigste Ereignis? … auch alle Jahre wieder??? Genau: Der Heiligabend. Wer von uns kennt die Weihnachtsgeschichte nicht? Aktuell gibt es in Frankfurt im Liebieghaus eine Sonderausstellung zum Thema ‚Heilige Nacht‘ und ich habe beim Rundgang durch die Ausstellung große Augen bekommen weil…da wurde im Text zu den einzelnen wirklich wunderschönen Bildern erläuternd so manches mir bisher nicht bekannte Detail genannt.

Die Weihnachtsgeschichte ist nämlich mit den mir nun bekannten  Details richtiggehend spannend. Glaubst du nicht? Dann lies doch einfach mal weiter … und solltest du doch nicht meiner Meinung sein, gefallen dir vielleicht die tollen meist mittelalterlichen Bilder mit den einzelnen Szenen der Weihnachtsgeschichte.

Ich beginne mal:

Es begab sich aber zu der Zeit…

Maria, ein junges Ding, war mit dem wesentlich älteren Schreiner Josef verlobt. Er liebte sie sehr, Sex hatten sie aber bisher keinen miteinander, war zu dieser Zeit einfach noch ein absolutes no go. Wie wir alle wissen, hatte Maria dann diesen sonderbaren Traum: Der Engel Gabriel erscheint und erklärt ihr mal ganz locker: Du bist jetzt schwanger vom Heiligen Geist und wirst in neun Monaten den Sohn Gottes gebären. Einen Namen haben wir auch schon für ihn für dich ausgesucht. Er soll Jesus heißen.

Maria hat sich allerdings nicht so mir nix dir nix einen erzählen lassen, Engel hin oder her. Sie fragt also nach, weil, ist ihr doch alles etwas suspekt. Als ihr Engel Gabriel dann erzählt, dass genau im gleichen Moment auch ihre Verwandte Elisabeth endlich endlich schwanger wird, ist sie schon weniger skeptisch. Endlich deswegen, weil Elisabeth und ihr Mann probieren es schon seit geraumer Zeit, bisher allerdings vergeblich. Diese Info überzeugt Maria und sie glaubt es erst mal, macht sich aber doch recht bald auf den Weg zu Elisabeth um die Engelaussage persönlich zu überprüfen. Und Tatsache, Elisabeth ist auch schwanger!

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Es ist überliefert, dass beim Besuch die Babys im Bauch fröhlich gestrampelt haben sollen…

Auf dem Bild kann man wie durch ein Fenster in das Innere der Mutterbäuche blicken. Marias Kind steht aufrecht, während Elisabeths Sohn das Christkind anbetet. Elisabeths Sohn wird später als Johannes der Täufer bekannt, der nach der biblischen Erzählung Jesus als christlichen Heiland erkennen und taufen wird.

 

Okay, Maria ist also schwanger, aber nicht von Josef. Wie bringt sie ihm das jetzt bei? Josef ist natürlich not amused, um es mal freundlich auszudrücken, und lässt es sie auch spüren. Gekränkt packt er seine sieben Sachen und verlässt Maria. Auf seiner ‚Flucht‘ vor dieser Schande wird er irgendwann müde und macht Rast am Wegesrand. Kaum hat er sich hingesetzt, schläft er auch schon erschöpft ein. Und wer hätte es gedacht? Auch er hat einen Traum und es erscheint ihm ebenfalls ein Engel, der ihm wie folgt ins Gewissen redet:

‚Josef, Sohn des David, fürchte dich nicht! Nimm Maria als deine Ehefrau an!‘

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So lautet seine Botschaft. Fast schon tröstend legt der Engel dem alten Josef das Spruchband mit seiner Nachricht um die von Sorgen gebeugten Schultern. Denn Maria hat wirklich die Wahrheit gesagt! Sie ist ihm treu geblieben und trägt tatsächlich den Sohn Gottes in sich. Mit dieser Einsicht kehrt Josef erleichtert zu ihr zurück und nimmt seine Rolle als Beschützer der Familie an und es wird geheiratet.

Im Mittelalter war das Thema Fruchtbarkeit und Kindersegen sehr wichtig, viele Menschen erhofften dies und damit es auch klappt, verehrten sie häufig Holzfiguren der schwangeren Maria.

Viele Darstellungen zeigen Maria mit ihren schmalen Händen über ihrem runden Bauch. Ultraschall war natürlich im Mittelalter noch völlig unbekannt, dafür gab es z.B. eine geschnitzte Figur aus Lindenholz mit einer kleinen herausnehmbaren Klappe, die den Blick ins Bauchinnere freigibt. Man sieht dort eine stehende Figur des Jesuskindes. Schon zu diesem Zeitpunkt sich seiner zukünftigen Mission voll bewusst, hält er in seiner linken Hand eine Weltkugel als Zeichen seiner Macht. An seiner rechten Hand  hat er den ausgestreckten Mittel- und Zeigefinger zur Segensgeste erhoben.

Durch solch zum Teil recht detaillierte Darstellungen hat man die auch schon zur damaligen Zeit kritischen Geister beruhigt. Diverse Künstler im Mittelalter wurden gerade aufgrund der ‚eigentlich‘ recht spärlichen und nüchternen Texte im Lukas- und Matthäusevangelium zur Weihnachtsgeschichte dazu animiert, durch detaillierte und ausgeschmückte Darstellungen und Texte dem Volk die Weihnachtsgeschichte näher zu bringen.

Eine sehr schöne und detailreiche Darstellung ist auch das ‚Marienaltärchen‘

samsungpicture-477Im inneren des Schreins wird die  Geburt Christi dargestellt. In den Innenflügeln wird die Verkündigung, Heimsuchung und Darbringung dargestellt.

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Die Außenflügel zeigen die Anbetung und Marienkrönung.

Aber ich schweife ab. In der Weihnachtsgeschichte heißt es jetzt weiter, dass Kaiser Augustus Befehl zur Volkszählung gegeben hat. Daraufhin begeben sich viele viele Menschen auf den Weg in die Stadt Bethlehem um sich registrieren zu lassen. Auch die hochschwangere Maria und Josef sind mit von der Partie. Bethlehem glich zu dieser Zeit einer Stadt während der Messezeit: Total überfüllt und kein Zimmer mehr zu finden. Jedes mal wenn Josef bei einer Herberge um ein Zimmer ersuchte und der Herbergsvater die hochschwangere Maria erblickte, bekamen sie sofort eine negative Antwort. Während sie so von Herberge zu Herberge ziehen, setzen bei Maria die Wehen ein. Sie finden einen Stall mit Stroh und Heu, eigentlich ein Unterstand für Ochs und Esel.

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Josef versucht Hilfe zu holen, doch jetzt geht alles sehr schnell. Der Gottessohn erblickt das Licht der Welt. Als er wieder kommt liegt Maria bereits auf dem Lager und hält Jesus in ihren Armen.

Kaum war Jesus geboren, erschienen wie aus dem Nichts die Drei Weisen aus dem Morgenland. Sie sind extrem weit gereist, um das ‚göttliche Kind‘ zu sehen. Sie beschenken Maria und ihren Sohn mit Gold, Weihrauch und Myrrhe, echte Kostbarkeiten aus ihren Heimatländern.

 

Jesus wird beschnitten!

samsungpicture-479Ja tatsächlich. Obwohl es ein jüdischer Brauch ist, vollziehen drei Priester den Brauch der Beschneidung. Maria und Josef müssen dieser heftigen Szene beiwohnen. Warum nur wurde das gemacht? Die Vorhaut Christi war für die Menschen von großer Bedeutung, wurde sogar als Heiligtum verehrt. Das Stück Haut diente als Beweis für das Mysterium der christlichen Religion: es diente als Beweis, dass der Sohn Gottes als Mensch aus Fleisch und Blut auf der Welt gelebt hat.

Die ganze Szene ist im nebenstehenden Bild sehr detailgetreu dargestellt.

Kaum hat Jesus dieses für ihn sicherlich dramatische Erlebnis überstanden, haben auch Maria und Josef sich ein wenig davon erholt, naht schon wieder neues Unheil.

Die Neuigkeit von der Geburt Jesu und seine Position als ’neuer König‘ macht im Volk schnell die Runde und so erfährt auch der Herrscher Herodes davon. Dem geht es natürlich um seinen Machterhalt und er ist ganz und gar nicht davon begeistert, dass da womöglich jemand in absehbarer Zukunft an seinem Stühlchen sägen will.

Clever wie Herodes ist, hat er den drei Weisen weiß gemacht, dass er das Kind anbeten will und sie ihm deswegen unbedingt den Aufenthaltsort der Heiligen Familie verraten sollen. Doch den Engeln sei dank, hat einer von ihnen sich in die Träume der Weisen geschlichen und ihnen die wahren Absichten Herodes gesteckt. Nun werden sie auf keinen Fall auf ihrem Heimweg, wie ursprünglich vereinbart, bei Herodes vorbeischauen und ihm den Ort nennen.

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Klar bleibt das Herodes auch nicht lange verborgen, dass er tatsächlich ausgetrickst wurde. Seine Rache ist fürchterlich und mörderisch. Sein barbarischer Entschluss: Er schickt seine Soldaten nach Bethlehem. Sie haben den Befehl, alle neugeborenen Knaben umzubringen!

Und wieder ist es ein Engel im Traum von Josef, der hilft und die heilige Familie vorwarnt. So beginnt die eilige Flucht von Maria, Josef und dem Jesuskind nach Ägypten.

Im fernen Ägypten angekommen, waren sie endlich in Sicherheit. Doch auf dem Weg dahin erlitten sie viele Strapazen und überstanden so manche gefahrvolle Situation.

Jesus wächst und gedeiht und so lebten sie bis ans Ende ihrer Tage… nein, so war es nicht!

Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen.

Matthäusevangelium 2,20

Mal wieder hat Josef einen Traum in dem ihm ein Engel steckt, dass der Herrscher Herodes nach langer schwerer Krankheit gestorben ist. Sie können nun also endlich endlich gefahrlos in ihre Heimat zurück.

Happy end!

Ich finde ja, mit diesen für mich teilweise neuen Details, bekommt die Weihnachtsgeschichte eine ganz andere Wirkung, irgendwie spannender oder?

Die vielen schönen Bilder und eben diese interessanten Details habe ich in der bereits oben erwähnten aktuellen Ausstellung ‚Heilige Nacht‘ im Museum Liebieghaus in Frankfurt am Main entdeckt. In meinen Augen ein wahrer Schatz.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine intensive, möglichst mit neuen interessanten Details versehene Vorweihnachtszeit.

Unterschrift

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