Wenn möglich, bitte wenden!

2017-01-oldwaynewwayNein, es geht nicht schon wieder um das Thema Auto 😉 Es geht diesmal ausschließlich um dich und dein Innenleben. Da gibt es nämlich so eine Art Autopilot, der sich – meist ungefragt – einschaltet. Warum das mitunter durchaus gut und bei nicht korrekter Bedienung eher schädlich ist, erfährst du hier

Wer kennt es nicht?

Jeder Mensch, also wirklich JEDER, egal ob Männlein oder Weiblein, Kind oder Erwachsener, jeder macht es: Selbstgespräche führen! Meistens finden sie lautlos in deinem Kopf statt, ganz Hemmungslose sprechen auch laut mit sich selber. Wenn du zu der Spezies gehörst, die auch gerne mal laut hörbar in der Öffentlichkeit vor sich hin murmelt und zu sich selber spricht, könntest du eventuell den einen oder anderen irritierten Blick ernten. Auf Dritte wirkt es eher befremdlich und ein wenig durchgeknallt.

Wenn du also auch zu den 96 Prozent der Menschheit gehörst die Selbstgespräche führen, befindest du dich in guter Gesellschaft. Grundsätzlich ist gegen Selbstgespräche nichts zu sagen, sie werden sogar als gesunde Sache eingestuft. Aber, jaja jetzt kommt das berühmte aber: sie sollten interessant und konstruktiv sein!

Bei Kindern bis ca. vier Jahren kannst du es gut beobachten, denn sie brabbeln ihren inneren Dialog noch so ein wenig halblaut vor sich hin. Erst ungefähr ab dem fünften Lebensjahr sprechen Kinder auch nur noch lautlos im Inneren mit sich.

Wann führst du laute Selbstgespräche?

Also, unsere täglichen lautlosen Selbstgespräche haben wir schon akzeptiert. Kennst du aber auch die Situationen, in denen du laut mit dir selber sprichst? So vielleicht:

  • ‚Das ist ja mal wieder typisch für dich!‘
  • ‚Nie bringst du eine Sache zu Ende!‘
  • ‚Immer werde ich ignoriert‘
  • ‚Wie blöd bin ich denn?‘

In dem Moment passiert dir etwas für dich unangenehmes oder es klappt irgendetwas nicht, was du gerade machst. Die Reaktion ist verständlich, im ersten Moment auch gut, aber auf lange Sicht FATAL!

Die gute Seite: Deine Selbstgespräche in der oben genannten Form dienen dir erstmal als zeitnahes Ventil. Du kannst dadurch Wut, Trauer und auch Frust raus lassen und frisst den ganzen Kram nicht so leicht in dich hinein.

Die weniger gute Seite: Mit solchen Selbstaussagen wie in den obigen Beispielen, prägen wir unser Selbstbild! Ja und leider sogar nachhaltig. Wenn du also oft oder sogar ständig in dieser negativen Form mit dir selbst sprichst, macht dich dies auf Dauer unsicher, unzufrieden bis hin zu verbittert und wütend. Diese negativen Dialoge fressen sich regelrecht in deine Seele und machen es sich dort gemütlich. So ‚vorprogrammiert‘ erlebst du deinen Alltag als eine Art selbst erfüllende Prophezeiung, weil du dir ja oft genug selber erzählt hast, dass du blöd bist, die Leute dich ignorieren etc. Du erlebst also ein völlig verzerrtes Weltbild, weil du in deinem inneren die entsprechende ‚Vor‘-programmierung hast.

Wenn du also auf dieser negativen Schiene in Sachen Selbstgespräche unterwegs bist, heißt es ganz dringend und möglichst ab sofort: Wenn möglich, bitte wenden!

 

Können dir innere Dialoge auch helfen?

Ja, unbedingt…es kommt halt ganz entschieden auf die Ausrichtung an!

“Interessante Selbstgespräche setzen einen klugen Gesprächspartner voraus.“

(Herbert George Wells / 1866 – 1946)

Es gibt natürlich auch zu diesem Thema Studien, u.a. von der Uni Bamberg und der Uni Wien. Sie haben Probanden dazu aufgefordert, eine Konstruktionsaufgabe jeweils allein zu lösen und sie dabei per Video beobachtet. Das Ergebnis ist eindeutig: Diejenigen Studenten, die während der Aufgabe an sich selbst konkstruktive Fragen richteten, wie etwa: ‚Wie bekomme ich das jetzt da dran?‘ oder ‚Wo genau gehört das Teil jetzt hin?‘, hatten die besten Ergebnisse. Diejenigen Studenten, die sich während der Aufgabenstellung selbstsabotierende Fragen stellten oder Feststellungen trafen wie ‚Man bin ich doof‘, erzielten keinen positiven Effekt.

Es wurde auch festgestellt, dass das laute Wiederholen der Fragestellung für die Lösung der Konstruktionsaufgabe von Vorteil ist. Ebenso hilft es, die zu erledigenden Vorgänge laut mitzusprechen. Also etwa: Jetzt ziehe ich den Nippel durch die Lasche und dann…‘

Diese Form der Selbstgespräche, das haben verschiedene Wissenschaftler ermittelt, wirken sehr vielschichtig und positiv in deinem Inneren. Sie können u.a.

  • deine Leistungsfähigkeit steigern.
  • Ablenkungen und Störgeräusche ausblenden.
  • dir helfen, Probleme schneller und besser zu lösen.
  • helfen, deinen Stress abzubauen.
  • deine Aggressionen reduzieren.
  • dir zu einem differenzierteren Blick auf die jeweilige Aufgabe verhelfen.

 

Wie kommst du nun zu einem positiven inneren Dialog?

Klingt erstmal ein wenig schräg, funktioniert aber. Wirklich…ich teste sowas ja immer, bevor ich dich an meinem geballten Wissen (haha) teilhaben lasse.

Also, du sprichst in deinen Selbstgesprächen ab sofort nur noch in der dritten Person mit dir. Beispiel gefällig?

Falsch:        Ich bin total gestresst.
Richtig:       Birgit ist total gestresst.

Falsch:        Ich schaffe das.
Richtig:       Birgit schafft das.

Wie nennt man sowas? = Psychologische Distanz zu sich selbst.

Der Trick bei dett Janze ist also, das du durch die Verwendung der dritten Person eine psychologische Distanz zu dir selbst aufbaust. Du gehst dadurch automatisch aus der für dich unangenehmen Situation / Lage heraus, du entfernst dich und wirst dir selbst zu einem außenstehenden Ratgeber.

Wenn du also das nächste Mal vor einer herausfordernden Aufgabe stehst, sprich ruhig mit dir, aber – ganz wichtig – in der dritten Person. Und solltest du dich in Gesellschaft befinden, rate ich dir zu lautlosen Selbstgesprächen. Sicher ist sicher 😉

 

Grundregeln für bessere Selbstgespräche:

Damit du ab sofort nur noch für dich förderliche Selbstgespräche führst, bekommst du nachstehend von mir zusammengefasst die Do’s & Don’ts dafür:

  1. Keine negativen Aussagen! Gedanken haben enorme Macht. Der innere Dialog prägt unser Handeln und unsere Gefühle angeblich bis zu 95 Prozent. Schon der Talmud warnt:
    „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.“Vermeide also negative Aussagen, wie ‚Das schaffst du wieder nicht!‘ oder ‚Dafür bist du einfach zu blöd!‘ oder ‚Der Tag fängt ja schon gut an…‘. Formuliere lieber positive Sätze wie: ‚Von jetzt an kann es nur noch besser werden.‘
  2. Nicht pauschalieren! ‚Das ist ja mal wieder typisch für dich!‘, ‚Nie bringst du eine Sache zu Ende!‘, ‚Ständig werde ich ignoriert!‘ – solche Pauschalierungen sind in der Regel nicht nur faktisch falsch, sie wirken auch desaströs. Effektiver und schneller kannst du kaum Minderwertigkeitskomplexe erzeugen. Schlag dir solche Gedanken lieber sofort und kategorisch aus dem Kopf.
  3. Sei ehrlich zu dir! Du sollst jetzt keine schonungslose bis zerstörerische Selbstkasteiung vornehmen, sondern eine ehrliche Analyse deiner Schwächen und Misserfolge. Nur so kannst du daraus lernen und erfahren, was du das nächste Mal besser machen kannst. Und genau diese Erkenntnis sprichst du dann anschließend möglichst konkret formuliert aus, gerne auch laut.
  4. Wäge ab! Also, wenn du dir schon Zeit für dich nimmst, dann gründlich: Diskutiere ruhig sämtliche Vor- und Nachteile einer Entscheidung, die dir in den Sinn kommt mit dir aus und wäge Sie dann ab. Hauptsache ist, das du dann auch eine Entscheidung triffst. Ansonsten vergrößerst du das Hindernis / Thema, das vor dir liegt bzw. dich beschäftigt, nur noch.

Ich glaube du hast jetzt genug Stoff zum Denken & Anwenden für die kommende Woche und wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetzung. Und wenn du doch wieder in alte Sprachmuster verfällst, erinnere dich: Wenn möglich, bitte wenden!

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